Genre: Intellektuellen-Film. Alles was es zum Klischee „intellektueller Film" so gibt, hier wird es bedient.
Also .... viel grobkörniges Bild, ein ungewöhnliches, quadratisches Format, Wackelkamera, wenig Handlung, aber das bisschen was das ist, ist wichtig, Verweis-Ebenen en masse und in der Q&A nach dem Film ein Crewmitglied, dass einen besoffen quatscht und erklärt: Der Film ist unwichtig, der Text ist viel wichtiger.
Wo fange ich also an.
Die Handlung: Der Film handelt von einem jungen Paar, Anne (Schriftsteller) und Tyler („Film Maker"), die sich über die Themen Authentizität und Plagiat unterhalten . Das tun sie einmal im Winter mit Clip, einer Zufallsbekanntschaft und Retter in der Not bei einer winterlichen Autopanne. Und dann noch im Sommer mit Allison einer gemeinsamen Freundin, die zufällig auch Clip kennt. Das ist die Handlung.
Anne ist entsetzt als sie festgestellt, dass Clip und Allison gar nicht so poetisch und klug sind wie gedacht. Clips beeindruckender umfangreicher Monolog am Küchentisch ist Wort für Wort eine Passage aus Karl Ove Knausgards Roman „Kämpfen", Allison zitiert einen Guardian Artikel.
Es gibt noch viel mehr Zitate, den alle Texte im Film sind Zitate, was dem aufmerksam Zuhörer auffällt. Ein Glück, das war durchaus schön zu zuhören und schon vor der Q&A schliessen Steve und ich ein wenig die Augen und denken: Als Hörbuch wäre das vielleicht ganz schön.
Mmh, ein Film über Zitate, in dem die Texte nur Zitate sind. Ah, ja.
In der Q&A verärgert mich das Verhalten anwesenden Film-Crew. Einer der drei redet so unverhältnismäßig viel mehr als die anderen beiden. Unglaublich. Einer redet, die anderen lassen es zu. Und wenn Fragen beantwortet werden, dann schaut dieser Mensch in Richtung Interviewer auf der Bühne und nicht in Richtung Fragesteller. Außerdem überstetzt er den Titel von Knausgards Buch falsch. In Deutsch heißt das Buch „Kämpfen". Er aber übersetzt den englischen Titel „My Struggle" mit „Mein Kampf", die einzigen Worte, die auf deutsch fallen, er wiederholt den Titel in deutsch nochmal - dann ohne Luft zu holen „Oh, I shouldn't have mentioned that" und ohne Luft zu holen geht es weiter und er redet, redet und redet. Bei mir bleibt der Eindruck, dass ich eine Filmcrew vor mir habe, die komplett in einer Blase lebt, ohne echten Kontakt zu Menschen. Ich glaube, die haben noch nicht mal Kontakt zu sich selbst. Die leben gar nicht wirklich, die probieren Leben nur aus.
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Sonntag, 10. Februar 2019
Samstag, 9. Februar 2019
Meine Meinung zu „Flatland“
Genre: Roadmovie
Alsooooo, mmh Steve's Kommentar nach der Vorstellung: „Hinter den Erwartungen zurück geblieben" ... Ja, stimmt ... trotzdem „Flatland" rangiert bei mir vor „Say Amen 🙏 , Somebody" ... und stimmt auch: „Flatland" ist hinter den Erwartungen zurück geblieben. Erwartet haben wir ein Road Movie und ein bisschen was „Kill Bill"- artiges.
Bekommen haben wir ... mmh, eine Art „Ich suche mir eine Familie"?
In den Film gibt es einen Kriminalfall und viele Figuren und zusammen ergeben sie aber keinen Krimi oder Thiller.
Ich versuche es mal mit einer Handlung:
1. Beauty Cuba eine Polizistin, die mal mit in Billy Druizer verlobt war, bis dieser seinen Bruder bei einer leicht zu verhindernden Schlägerei umgebracht hat und dafür 15 Jahre erhielt.
2. Billy Druizer, der kaum ist er aus dem Gefängnis raus, schon wieder eingelocht wird. Für den Mord am Reverend.
3. Den Mord hat aber die vom Reverend übel bedrängte Natalie begangen. Der Reverend will sie nämlich zu ihrem unreifen und deshalb in der Hochzeitsnacht brutalen Mann Bakkies zurück schicken.
4. Bakkies, der Polizist und Polizistensohn von Beauties pensionierten Kollegen Jaab ist komplett überfordert, wünschte alles wäre nicht passiert.
5. Natalie flieht zu Poppie, die sie Schwester nennt, denn Poppie ist von Natalies Mutter großgezogen worden. Später kommt raus, dass Natalie selber nicht bei ihrer Mutter gross werden durfte. ....
6. Poppie ist jedenfalls schwanger, von Branco einem schmierigen Trucker, in den sich Natalie auf ihrer gemeinsamen Flut mit Poppie auch noch verguckt.
Den beiden auf den Fersen ist Beauty Cuba, eine Polizistin, die mal mit Billy Driuzer verlobt war ..... usw.
Zurück auf 1.
Was ich ganz spannend fand: Der Film hatte einige Wendungen, so dass man nie wusste, wer wirklich zu wem gehört. Er endet damit, dass sich Beauty und Billy mit einer gemeinsamen Zukunft anfreunden, Natalie mit dem kleinen, roten Auto von Beauty alleine in ihre eigene Zukunft fährt. Jaab nimmt sich der schwangeren Poppie an. Seinen Sohn Bakkies degradiert Jaab zum Zuschauer, damit der lernt, wie Familie geht. Mmmh. Der schmierige Branco geht leer aus.
Zwischendurch war's aber mal so:
Beauty und Jaab geben einander ein Zuhause und machen es sich mit Fastfood und Fernsehserie gemütlich. Derweil gesteht Billy einen Mord, den er nicht begangen hat, damit er bei seiner Familie namens „Gefängnis" bleiben kann. Poppie und Natalie begreifen sich als echte Schwester und sind einander Stütze. (Branco geht wieder leer auf)
Schön: Gute Musik und eine Beauty, die zum Dienst prinzipiell in Jogginganzügen aus Nickiplüsch erscheint, in Warnfarben à la Cindy aus Marzahn.
Alsooooo, mmh Steve's Kommentar nach der Vorstellung: „Hinter den Erwartungen zurück geblieben" ... Ja, stimmt ... trotzdem „Flatland" rangiert bei mir vor „Say Amen 🙏 , Somebody" ... und stimmt auch: „Flatland" ist hinter den Erwartungen zurück geblieben. Erwartet haben wir ein Road Movie und ein bisschen was „Kill Bill"- artiges.
Bekommen haben wir ... mmh, eine Art „Ich suche mir eine Familie"?
In den Film gibt es einen Kriminalfall und viele Figuren und zusammen ergeben sie aber keinen Krimi oder Thiller.
Ich versuche es mal mit einer Handlung:
1. Beauty Cuba eine Polizistin, die mal mit in Billy Druizer verlobt war, bis dieser seinen Bruder bei einer leicht zu verhindernden Schlägerei umgebracht hat und dafür 15 Jahre erhielt.
2. Billy Druizer, der kaum ist er aus dem Gefängnis raus, schon wieder eingelocht wird. Für den Mord am Reverend.
3. Den Mord hat aber die vom Reverend übel bedrängte Natalie begangen. Der Reverend will sie nämlich zu ihrem unreifen und deshalb in der Hochzeitsnacht brutalen Mann Bakkies zurück schicken.
4. Bakkies, der Polizist und Polizistensohn von Beauties pensionierten Kollegen Jaab ist komplett überfordert, wünschte alles wäre nicht passiert.
5. Natalie flieht zu Poppie, die sie Schwester nennt, denn Poppie ist von Natalies Mutter großgezogen worden. Später kommt raus, dass Natalie selber nicht bei ihrer Mutter gross werden durfte. ....
6. Poppie ist jedenfalls schwanger, von Branco einem schmierigen Trucker, in den sich Natalie auf ihrer gemeinsamen Flut mit Poppie auch noch verguckt.
Den beiden auf den Fersen ist Beauty Cuba, eine Polizistin, die mal mit Billy Driuzer verlobt war ..... usw.
Zurück auf 1.
Was ich ganz spannend fand: Der Film hatte einige Wendungen, so dass man nie wusste, wer wirklich zu wem gehört. Er endet damit, dass sich Beauty und Billy mit einer gemeinsamen Zukunft anfreunden, Natalie mit dem kleinen, roten Auto von Beauty alleine in ihre eigene Zukunft fährt. Jaab nimmt sich der schwangeren Poppie an. Seinen Sohn Bakkies degradiert Jaab zum Zuschauer, damit der lernt, wie Familie geht. Mmmh. Der schmierige Branco geht leer aus.
Zwischendurch war's aber mal so:
Beauty und Jaab geben einander ein Zuhause und machen es sich mit Fastfood und Fernsehserie gemütlich. Derweil gesteht Billy einen Mord, den er nicht begangen hat, damit er bei seiner Familie namens „Gefängnis" bleiben kann. Poppie und Natalie begreifen sich als echte Schwester und sind einander Stütze. (Branco geht wieder leer auf)
Schön: Gute Musik und eine Beauty, die zum Dienst prinzipiell in Jogginganzügen aus Nickiplüsch erscheint, in Warnfarben à la Cindy aus Marzahn.
Meine Meinung zu „Say Amen, Somebody“
Genre: Der Film ist aus dem Jahr 1982 und wurde digital überholt. Es ist ein Dokumentarfilm über zentrale Figuren des Gospel und die Geschichte des Gospel.
Kostprobe: Auf youtube ist sicherlich der Trailer zu dem Film, wenn nicht sogar der ganze Film zu finden. Auf Vimeo gibt es jedoch eine Ausschnitt, den ich besser finde als den Trailer. Hier ist der Link Kostprobe von Say Amen, Somebody
Vor dem Film war ich dem Gospel freundlich zugeneigt, nach dem Film bin ich irritiert. Das liegt mit Sicherheit auch daran, dass er keine Untertitel hat und das Englisch selbst für Steve nicht einfach ist. Wahrscheinlich habe ich das eine oder andere nicht richtig verstanden und mir meine eigene Wirklichkeit aufgrund der Bilder interpretiert.
Der Film ist übrigens auch ein grandioser Dokumentarfilm über bunte Kleider aus Polyester - Chiffon, ebenso bunte Anzüge aus Trevia-Gabardine und unglaublich große, skurril geformt Brillen.
Es wird sehr viel und sehr gut gesungen und es geht immer um Jesus und die Erleuchtung und Halleluja und irgendwann im Film geht mir das gegen den Strich.
Die zentralen Figuren des Gospel über die berichtet wird sind Willie Mae Ford Smith und Thomas A. Dorsey. Während ich den Film so sehe, erlebe ich die beiden Hauptperson als sehr dominant und sehr missionarisch.
Beide mussten in ihrem Leben viel um ihre Position kämpfen und darum, sich entwickeln zu dürfen. Besonders bei Willie Mae Ford Smith habe ich den Eindruck, dass sie noch mehr gekonnt hätte. Ihre grosse, reife Stimme und die ewige kleine, kindliche Blüte in ihrem Haar wirken auf mich wie ein Gegensatz.
Ich erfahre etwas über die erzkonservative, frauenfeindliche Atmosphäre der einiger Baptist Gemeinden. So überlegt ein Ehemann einer Spitzensängerin, ob es denn okay ist, der Frau die kurze Reise nach Europa zu gestatten. Nur mal so, diese Reise ist der Herzenswunsch seiner Liebsten, die während der Unterhaltung am Herd steht und Frühstück macht.
Der Enkel von Willie Mae Ford Smith ist zum Beispiel der Meinung, Frauen sollten nicht predigen dürfen ... und noch mehr vorsintflutliches Verhalten. Wirklich haarsträubend.
Ich habe etwas gegen dieses „Jesus macht dich frei" ... und dein Ehemann darf entscheiden, ob du verreisen darfst. Schrecklich.
Dann sehe ich Bertha Smith, eine Tochter von Willie Mae Ford Smith, die dreimal so alt aussieht, als einzige im Film nur noch drei Zähne hat und sehr kurz vorgestellt wird.
Nach dieser kurzen Vorstellung sehe ich Bertha Smith in vielen Szenen, immer im Hintergrund, fast immer mit Sonnenbrille, auch in der Kirche, auch in der Wohnung. Bertha in der Messe beim Gottesdienst, in der zweiten Reihe ganz aussen, der Rest der Familie inkl. der Geschwister in der ersten Reihe. Bertha beim Familienmittagessen, vier sitzen und essen. Bertha serviert. Immer wirkt Bertha beherrscht als wenn sie der Mission nicht ganz glaubt.
Später frage ich den Regisseur nach der Beziehung zwischen Willie Mae Ford Smith und Bertha Smith. (... da hat der Regisseur schon lange über diese wunderbare Menschen im Gospel berichtet und dass diese zu Freunden wurden. ) Seine Antwort: „Oh Bertha ... sie ist adoptiert. Sie ist vollständig in die Familie integriert und ein vollwertiges Mitglied der Familie." und er wiederholt nochmal "Sie ist adoptiert."
Ich denke an Chris, die im Berlinale Palast den Film „Grace a dieux" sieht ... über Missbrauch in der Kirche. Und ich denke daran, dass Kirche, dieses geschlossene System, das ideale Milieu bietet, um Menschen und auch den Gospel klein zuhalten. Wie gut dass es den Soul gibt :-)
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